Wärmepumpe verbraucht zu viel Strom! Woran kann das liegen?

Eine neue Wärmepumpe soll eigentlich für effizientes Heizen sorgen. Dann kommt die erste Stromabrechnung und plötzlich ist der Verbrauch deutlich höher als erwartet. Genau an diesem Punkt beginnt für viele Eigentümer die Suche nach einer Erklärung: Ist das bei einer Wärmepumpe normal? Wurde die Anlage falsch eingestellt? Ist das Gebäude vielleicht ungeeignet? Oder hat der Installationsbetrieb einen Fehler gemacht?
Eine einfache Antwort gibt es nicht. Eine Wärmepumpe braucht Strom, daran führt kein Weg vorbei. Wie viel sie tatsächlich benötigt, hängt allerdings von einer ganzen Reihe von Faktoren ab: vom Gebäude, von der Außentemperatur, von der benötigten Vorlauftemperatur, von den Heizflächen, von der Warmwasserbereitung und natürlich von der technischen Auslegung der gesamten Anlage. Deshalb lässt sich auch nicht seriös sagen, dass beispielsweise 5.000 oder 8.000 Kilowattstunden grundsätzlich zu viel sind. Ein großes, älteres Gebäude kann einen solchen Verbrauch durchaus erreichen, während derselbe Wert bei einem kleinen, gut gedämmten Haus auffällig sein kann.

Was bedeutet überhaupt „zu viel Strom“?
Der Blick auf den Stromzähler reicht für eine vernünftige Beurteilung nicht aus. Aussagekräftiger wird es, wenn man den eingesetzten Strom der tatsächlich erzeugten Wärmemenge gegenüberstellt. Dafür ist die sogenannte Jahresarbeitszahl interessant. Sie beschreibt vereinfacht, wie viel Wärme eine Wärmepumpe im Verhältnis zum eingesetzten Strom erzeugt. Eine Jahresarbeitszahl von 4 bedeutet beispielsweise, dass aus einer Kilowattstunde Strom im Jahresmittel vier Kilowattstunden Wärme erzeugt wurden.
Wer herausfinden möchte, ob die eigene Anlage vernünftig arbeitet, sollte deshalb nicht nur auf die Stromrechnung schauen. Interessant sind die Betriebsdaten der Wärmepumpe, die erzeugte Wärmemenge, die Vor- und Rücklauftemperaturen und – soweit die Anlage das ausweist – die Betriebszeiten des elektrischen Heizstabs. Erst aus diesen Informationen entsteht ein Bild, mit dem man tatsächlich etwas anfangen kann.
Die Vorlauftemperatur ist einer der entscheidenden Punkte
Eine Wärmepumpe arbeitet grundsätzlich umso günstiger, je niedriger die Vorlauftemperatur sein kann. Genau deshalb sind Fußbodenheizungen häufig eine gute Voraussetzung für den Wärmepumpenbetrieb. Die große Fläche ermöglicht es, einen Raum mit relativ niedrigen Temperaturen warm zu bekommen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Haus mit normalen Heizkörpern automatisch ungeeignet ist. Entscheidend ist, ob die vorhandenen Heizkörper bei der vorgesehenen Vorlauftemperatur genügend Wärme abgeben. Ein Heizkörper, der früher mit 70 Grad Vorlauf betrieben wurde, kann bei 40 oder 45 Grad möglicherweise nicht mehr dieselbe Heizleistung erreichen. Dann wird die Wärmepumpe häufig höher eingestellt, damit die Räume trotzdem warm werden.
Genau hier kann ein Teil des Problems liegen. Die Anlage funktioniert, die Bewohner frieren nicht – aber die Wärmepumpe muss mit höheren Temperaturen arbeiten und benötigt dafür mehr Strom. Ein hoher Verbrauch ist deshalb manchmal nicht auf einen Defekt des Gerätes zurückzuführen, sondern auf die Art und Weise, wie das gesamte Heizsystem betrieben wird.

Die Heizkurve wird häufig unterschätzt
Ein weiterer Punkt ist die Heizkurve. Sie bestimmt vereinfacht, welche Vorlauftemperatur die Heizung bei einer bestimmten Außentemperatur anstrebt. Ist diese Einstellung zu hoch, kann die Wärmepumpe mit einer Temperatur arbeiten, die das Gebäude eigentlich gar nicht benötigt.
Das Problem daran ist, dass der Eigentümer davon zunächst wenig bemerkt. Das Haus wird warm. Die Heizung läuft. Alles scheint zu funktionieren. Erst die Stromrechnung zeigt, dass etwas nicht optimal sein könnte.
Eine gute Einstellung bedeutet deshalb nicht, die Anlage möglichst großzügig aufzudrehen. Sinnvoll ist vielmehr eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur, mit der die gewünschte Raumtemperatur noch zuverlässig erreicht wird. Gerade bei Wärmepumpen können solche Einstellungen einen spürbaren Unterschied machen.
Läuft der Heizstab zu häufig?
Bei einem überraschend hohen Stromverbrauch würde ich mir außerdem sehr genau ansehen, wie oft der elektrische Heizstab zugeschaltet wird. Viele Wärmepumpen besitzen einen solchen Heizstab, der in bestimmten Situationen unterstützend einspringen kann. Das ist nicht grundsätzlich problematisch.
Wenn der Heizstab allerdings regelmäßig und über längere Zeit läuft, sieht die Sache anders aus. Der Heizstab erzeugt Wärme direkt aus elektrischer Energie. Die eigentliche Stärke der Wärmepumpe besteht gerade darin, Umweltwärme zu nutzen und dafür vergleichsweise wenig elektrische Energie einzusetzen. Wird ständig elektrisch zugeheizt, kann sich das entsprechend deutlich auf dem Stromzähler bemerkbar machen.
Dann sollte nicht nur gefragt werden, warum der Heizstab läuft. Entscheidend ist die nächste Frage: Warum braucht die Anlage ihn so häufig? Eine ungünstige Einstellung kann dahinterstecken. Möglich sind aber ebenso eine falsche Dimensionierung, besondere Betriebsbedingungen oder ein anderes technisches Problem.

Eine größere Wärmepumpe ist nicht automatisch besser
Bei der Planung passiert manchmal etwas, das auf den ersten Blick vernünftig klingt: Man nimmt lieber ein etwas größeres Gerät, damit die Leistung auch an sehr kalten Tagen ausreicht. Das Problem ist nur, dass „größer“ bei einer Wärmepumpe nicht automatisch „besser“ bedeutet. Eine deutlich überdimensionierte Anlage kann unter bestimmten Bedingungen häufiger ein- und ausschalten. Dieses sogenannte Takten ist kein besonders schöner Betriebszustand und kann sich auf Effizienz und Lebensdauer auswirken.
Das Gegenteil ist natürlich genauso problematisch. Ist die Wärmepumpe zu klein ausgelegt, kann sie an kalten Tagen Schwierigkeiten bekommen, den benötigten Wärmebedarf allein zu decken. Dann kann wiederum der Heizstab häufiger einspringen.
Die richtige Dimensionierung ist deshalb eine der wichtigsten Aufgaben bei der Planung. Sie sollte nicht allein nach Wohnfläche oder nach einer groben Faustformel erfolgen. Entscheidend ist der tatsächliche Wärmebedarf des Gebäudes.
Das Gebäude selbst darf man nicht vergessen
Eine Wärmepumpe kann nicht verhindern, dass ein Gebäude Wärme verliert. Ein älteres, schlecht gedämmtes Haus benötigt mehr Heizenergie als ein moderner Neubau. Fenster, Außenwände, Dach, Wärmebrücken und die gesamte Gebäudehülle spielen eine Rolle.
Das bedeutet nicht, dass eine Wärmepumpe nur in einem Neubau funktioniert. Diese pauschale Aussage wäre falsch. Es gibt zahlreiche Bestandsgebäude, in denen Wärmepumpen sinnvoll betrieben werden können. Entscheidend ist, wie hoch der Wärmebedarf ist und ob die vorhandenen Heizflächen mit vertretbaren Vorlauftemperaturen ausreichend Leistung bringen.
Genau deshalb sollte man bei einem hohen Stromverbrauch immer das ganze Gebäude betrachten und nicht nur das Gerät im Garten oder im Keller.

Manchmal liegt das Problem in der Hydraulik
Die hydraulische Einbindung wird von Eigentümern naturgemäß kaum wahrgenommen. Dabei kann sie erheblichen Einfluss auf den Betrieb haben. Heizkörper, Fußbodenheizung, Pumpen, Ventile, Speicher und Wärmepumpe müssen zusammenpassen. Das Heizungswasser muss mit den richtigen Volumenströmen durch die Anlage geführt werden.
Stimmt die Verteilung nicht, kann beispielsweise ein Raum problemlos warm werden, während ein anderer dauerhaft zu kalt bleibt. Die Reaktion darauf ist häufig schnell gefunden: Die Vorlauftemperatur wird erhöht. Damit wird zwar versucht, das Problem zu lösen, gleichzeitig kann aber der Stromverbrauch steigen.
Ein hydraulischer Abgleich kann deshalb ein wichtiger Bestandteil einer funktionierenden Anlage sein. Bei einer neuen Wärmepumpe sollte ohnehin nachvollziehbar sein, wie das Heizsystem hydraulisch eingestellt wurde.
Warmwasser macht einen Unterschied
Bei vielen Anlagen wird nicht nur die Raumheizung über die Wärmepumpe betrieben. Sie übernimmt zusätzlich die Warmwasserbereitung. Dieser Bereich sollte bei einer Verbrauchsbetrachtung nicht unter den Tisch fallen.
Warmwasser benötigt teilweise höhere Temperaturen als die normale Raumheizung. Gleichzeitig hängt der Verbrauch stark davon ab, wie viele Menschen im Haushalt leben und wie viel Warmwasser tatsächlich genutzt wird. Ein Vier-Personen-Haushalt mit hohem Verbrauch lässt sich deshalb nicht mit einem Zwei-Personen-Haushalt vergleichen.
Wer wissen möchte, ob der eigene Stromverbrauch auffällig ist, sollte Heizenergie und Warmwasser deshalb möglichst getrennt betrachten.

Ein kalter Winter ist noch kein Beweis für einen Fehler
Ein hoher Stromverbrauch in einem außergewöhnlich kalten Winter bedeutet zunächst nicht, dass die Wärmepumpe mangelhaft ist. Die Außentemperatur beeinflusst die Arbeitsbedingungen der Anlage erheblich. Gerade Luft-Wasser-Wärmepumpen müssen bei niedrigen Temperaturen unter anderen Bedingungen arbeiten als bei mildem Wetter.
Deshalb sollte man nicht wegen eines einzelnen Monats sofort einen technischen Fehler vermuten. Aussagekräftiger ist die Entwicklung über einen längeren Zeitraum. Bleibt der Verbrauch dauerhaft auffällig hoch und kommen weitere Probleme hinzu, wird die Sache interessanter.
Wann sollte man wirklich genauer hinsehen?
Ein hoher Verbrauch allein beweist noch keinen Fehler. Wenn allerdings mehrere Dinge zusammenkommen, sollte man die Anlage überprüfen lassen. Dazu gehören beispielsweise dauerhaft ungewöhnlich hohe Vorlauftemperaturen, ein Heizstab, der regelmäßig läuft, Räume, die trotz hoher Leistung nicht richtig warm werden, häufiges Takten, wiederkehrende Fehlermeldungen oder ein tatsächlicher Verbrauch, der erheblich von den ursprünglichen Planungsannahmen abweicht.
Besonders interessant wird es bei einer neuen Anlage. Wenn der Fachbetrieb eine bestimmte Planung zugrunde gelegt hat und sich nach der Installation zeigt, dass die tatsächlichen Betriebswerte deutlich davon abweichen, sollte man sich nicht mit der Aussage zufriedengeben, eine Wärmepumpe verbrauche eben Strom.
Dann gehört die Anlage genauer untersucht.

Was sollte ein Eigentümer dokumentieren?
Wer den Verdacht hat, dass seine Wärmepumpe nicht richtig arbeitet, sollte möglichst früh anfangen, Daten zu sammeln. Dazu gehören die Stromverbräuche, Betriebsdaten, Fehlermeldungen, Vor- und Rücklauftemperaturen und – sofern vorhanden – die erzeugte Wärmemenge.
Ebenso wichtig sind die Unterlagen aus der Planungs- und Installationsphase: Angebot, Vertrag, Heizlastberechnung, technische Daten, Inbetriebnahmeprotokoll und Schriftverkehr mit dem Installationsbetrieb.
Das klingt zunächst nach Papierkram. Wenn später tatsächlich darüber gestritten wird, ob die Anlage mangelhaft geplant oder installiert wurde, können genau diese Unterlagen sehr wichtig werden. Schließlich muss am Ende nicht nur festgestellt werden, dass die Wärmepumpe viel Strom verbraucht. Es muss geklärt werden, warum sie das tut.
Wann wird aus einem technischen Problem ein rechtliches Problem?
Ein hoher Stromverbrauch bedeutet nicht automatisch, dass der Installationsbetrieb einen Fehler gemacht hat. Vielleicht sind die gewünschten Raumtemperaturen ungewöhnlich hoch. Vielleicht war der Winter extrem kalt. Vielleicht wird sehr viel Warmwasser verbraucht.
Anders sieht es aus, wenn eine technische Untersuchung beispielsweise ergibt, dass die Anlage falsch dimensioniert wurde, eine vereinbarte Leistung nicht erreicht oder aufgrund eines Planungs- beziehungsweise Ausführungsfehlers nicht so betrieben werden kann, wie es vorgesehen war.
Dann kann ein rechtlich relevanter Mangel vorliegen. Welche Ansprüche daraus entstehen, hängt vom Vertrag und von den Umständen des Einzelfalls ab. Gerade bei einer Investition von mehreren zehntausend Euro sollte diese Frage nicht erst dann gestellt werden, wenn bereits mehrere Reparaturversuche gescheitert sind.

Nicht sofort alles umbauen lassen
Wenn der Installationsbetrieb behauptet, die Anlage sei völlig in Ordnung, obwohl die Probleme bestehen bleiben, ist der Gedanke verständlich, einfach einen anderen Heizungsbauer zu beauftragen.
Technisch kann das irgendwann notwendig sein. Vorher sollte allerdings festgehalten werden, wie die Anlage ursprünglich übergeben wurde und worin genau das Problem besteht. Wer umfangreiche Veränderungen vornehmen lässt, bevor der ursprüngliche Zustand dokumentiert wurde, kann sich eine spätere Beweisführung unnötig erschweren.
Bei einem ernsthaften Streit sollte deshalb zuerst geklärt werden, was technisch falsch läuft. Erst danach sollte entschieden werden, welche Maßnahmen sinnvoll sind.
Was sollte bei einem hohen Verbrauch geprüft werden?
Bei einer auffälligen Wärmepumpe reicht die Frage „Ist das Gerät kaputt?“ nicht aus. Betrachtet werden sollten die ursprüngliche Heizlastberechnung, die Dimensionierung der Anlage, Vorlauftemperatur und Heizkurve, die vorhandenen Heizflächen, der hydraulische Abgleich, die Warmwasserbereitung, der Einsatz des Heizstabs, die Wärmequelle und natürlich die tatsächlichen Betriebsdaten.
Erst aus diesem Gesamtbild lässt sich vernünftig beurteilen, ob die Wärmepumpe einfach unter schwierigen Bedingungen arbeitet oder ob möglicherweise ein Fehler in Planung, Auslegung oder Installation steckt.
Fazit
Eine Wärmepumpe darf Strom verbrauchen. Entscheidend ist, ob der Verbrauch für dieses Gebäude und diese Anlage plausibel ist und ob die Wärmepumpe so arbeitet, wie es bei der Planung zu erwarten war.
Wer nach der Installation plötzlich mit deutlich höheren Stromkosten konfrontiert ist, sollte deshalb weder in Panik geraten noch das Problem einfach hinnehmen. Zunächst muss die technische Ursache gefunden werden. Vielleicht ist nur die Heizkurve falsch eingestellt. Vielleicht sind die Vorlauftemperaturen zu hoch. Vielleicht läuft der Heizstab unnötig oft oder die Hydraulik stimmt nicht. Es kann aber ebenso sein, dass bereits bei der Planung oder Installation ein Fehler gemacht wurde.
Wenn sich ein solcher Verdacht bestätigt, geht es nicht mehr nur um einen hohen Stromverbrauch. Dann stellt sich die Frage, wer für den Fehler und die daraus entstehenden Kosten verantwortlich ist.
